Bei aller langen Vorrede ist es so langsam an der Zeit, daß ich ein wenig beschreibe, wo und wie das Crossdressing in meinem Leben seinen Platz hat.
Wer jetzt vermutet, ich würde bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Kleidern herumlaufen, der hat sich getäuscht. Dafür ist der Wechsel der Kleidung für mich viel zu stimmungsabhängig. Erst wenn beides zusammenkommt - die Stimmung und die Gelegenheit - sind die Umstände für dieses Erlebnis gegeben. Dabei gibt es alle Varianten von schlichten Kleidungswechsel bis zur kompletten äußerlichen Umwandlung mit Schminken, Frisieren und was so alles noch dazugehört. Diese Äußerlichkeiten führen dann aber auch zu einer inneren Veränderung. Oder ist es gar andersherum, daß das Innerliche die äußerliche Verwandlung verursacht? Diese Frage kann ich häufig selbst nicht beantworten.
Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, daß ich ein heterosexueller Mann bin und auch bleiben will. Der Gedanke an eine Geschlechtsumwandlung liegt mir fern. Das Crossdressing ist ein wichtiger Teil meines Lebens, es stabilisiert mein seelisches Gleichgewicht und ist auch sexuell nicht ohne Reiz. Aber es soll immer nur ein Teil bleiben, eine vorübergehende Verwandlung.
Dieser 'nur' vorübergehende Wechsel hat natürlich Auswirkungen auf die Auswahl der Kleidung. Wenn es nur gelegentlich stattfindet, soll es auch etwas Besonderes sein. So trage ich fast ausschließlich Cocktail- und Abendkleider, die aus ebenso besonderen Materialien gefertigt werden. Ganz wesentlich für mich ist, daß sich die verwendeten Materialien viel schöner anfühlen. Das gilt für den direkten Kontakt am Körper als auch beim (un-)absichtlichen Drüberstreichen mit der Hand. Meine liebsten Stoffe sind Taft, Samt und Spitze und alle weichfließenden, transparenten Stoffe wie Chiffon, Organza, Tüll und ... und ... Diese Liste ließe sich noch sehr weit fortsetzen. Die Materialien sind es allerdings nicht allein, die Verarbeitung und Form kommt noch mit dazu. Chiffon wird erst richtig schön, wenn er in großen Mengen zu vielen Rüschen aufgetürmt wird.
Diese Kleider können mir nicht aufwendig genug sein. Unmengen an Rüschen und Volants, lange und vor allem weite Röcke mit unglaublicher Stofffülle haben ihren besonderen Reiz. So ist es wohl nicht verwunderlich, daß ich liebend gern einmal eins dieser Rokokokleider tragen würde, wie man sie in den Mantel- und Degenfilmen sehen kann. Oder die von Sissi oder die aus den Märchenfilmen.Solche Vorlieben tragen dann manchmal ganz seltsame Blüten, denn dann gibt es ja noch die Kleider einer ganz eigenen Symbolik. Aber das ist ein anderes Kapitel.